Adolphs Brotladen GmbH

Sellemols...

...bei Alois & Kättche

Auf dem Wehrdener Berg gab es damals nicht so viele Bäckereien wie im Dorf, wo es von Lebensmittelgeschäften aller Art nur so wimmelte. Wir waren eines der wenigen, die sich „oben" angesiedelt hatten. Die älteste noch bestehende Bäckerei in Völklingen wurde von Alois Adolph im Jahr 1927 gegründet und von ihm geführt, bis Ursula und Toni (Anton) Adolph sie nach ihrer Hochzeit 1964 am 1. Mai 1966 übernahmen. Sie hatten sich innerhalb weniger Tage dazu entschlossen den Betrieb zu übernehmen, obwohl Toni kein gelernter Bäcker, sondern Gärtner war. Ursula Adolph führte jahrelang das Geschäft.

Inzwischen ist sie Rentnerin. Obwohl sie den Beruf nicht erlernt hatte, war er ihr Leben. Als sie ihren Mann Anton Adolph 1959 am Tag X (dem Tag des vollständigen wirtschaftlichen Anschlusses des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland) kennen lernte, ging sie noch zur Höheren Handelsschule in Saarbrücken. Anschließend arbeitete sie in der Frankreich-Abteilung bei Röchling. Viel lieber als im Büro wollte sie immer schon in einem Geschäft arbeiten. Da sie nach Dienstschluss und sogar samstags, wenn sie eigentlich frei hatte, nach Wehrden fuhr und in Adolphs Bäckerei mit anpackte, kam sie mit dem geschäftlichen Bereich in Berührung.

Dies führte später dazu, dass ihre Schwiegermutter „Kättche" ihr die Geschäftsführung übertrug und sich selbst in den Haushalt zurückzog. Der heutige Inhaber, Bäckermeister und Konditor Guido Adolph übernahm im Jahr 2000 mit seiner Frau Sonja das Geschäft. Über die Jahrzehnte ist im Betrieb einiges geschehen.

 

Familie Adolph im Jahr 1949

VLNR: Hinten : Josef Adolph,Alois Adolph jun., Herbert Adolph - Vorne: Katharina (Kättche) Adolph, Toni Adolph, Alois Adolph. sen.

 

Café Adolph 1952

Wo heute Bistro und Bäckerei sind, waren früher weitere Läden: ein Lebensmittelgeschäft,eine Metzgerei und ein angeschlossenes Cafè. Am Anfang war die Bäckerei klein und wurde erst später zu ihrer jetzigen Größe ausgebaut. Noch Anfang der 6oer Jahre war das Herz der Bäckerei ein ganz alter Backofen, der mit Holz befeuert wurde. Die unterste Öffnung des Ofens war recht tief. Davor befand sich eine ein Meter tiefe Grube im Boden, in der der Bäcker stand und die Brote rein und raus schob. Diese Öfen waren sehr gefährlich: Flammen schossen heraus und in den frühen Jahren der Bäckerei ist sogar ein Kind verbrannt.

Als Toni noch ein kleiner Junge war, ist ihm folgendes passiert, das ihn für immer gelehrt hat in der Backstube vorsichtig zu sein: Nach dem Krieg haben die Kunden ihre Kuchen zu Hause oft selbst vorbereitet, und da sie selbst keine Backöfen hatten, brachten sie sie zum Abbacken in die Bäckerei. Da waren oft ganze Öfen voll mit Kuchen. Diese sind später auf den Blechen mit dem Brotschießer auf den Boden geschoben worden. Für einen Moment passte Toni nicht auf und stand plötzlich mit seinen kleinen Füßen mitten im Kuchen der besten Kundin. Das war für beide Seiten nicht gerade erfreulich. Trotzdem konnte ihn dieses Erlebnis, wie auch zwei seiner drei Brüder nicht davon abbringen, selbst Bäcker zu werden.

In den 6oern wurde renoviert und neue Backöfen eingebaut. Damals war die Backstube noch etwa 2o Meter vom Haus entfernt. Man musste im Sommer wie im Winter mit den Backwaren durchs Freie und mehrere Stufen hinauf und herunter laufen. Der Zwetschgenkuchen wurde damals noch in den Sommernächten draußen auf der Gartenmauer auf Blechen belegt. Im Jahr 1981 wurde die Backstube neu gebaut und ans Haus angeschlossen. Ein Lastenaufzug und neue Backöfen erleichterten und verkürzten fortan die Arbeit. Der alte Ofen wurde in den Hof verlagert. Die Steine, in die er eingemauert wurde, stammen vom damals abgerissenen Pfählerstift (ehem. Lidl-Gelände).

 
 

Unser Hauptgeschäft heute

Auch heute noch ist der Beruf des Bäckers eine Herausforderung: Bereits abends wird die Arbeit aufgenommen, damit am nächsten Morgen der Verkauf beginnen kann, wenn hungrige Taxifahrer, Polizisten und Frühschichtarbeiter nach den ersten Backwaren fragen. Bis vor kurzem gab es allerdings ein Nachtbackverbot, was den Geschäftsbetrieb belastete, da man damals erst um 4 Uhr morgens anfangen durfte zu backen. Glücklicherweise darf heute das Geschäft bereits um 4 Uhr 3o öffnen. So sind Kunden und Bäcker zufrieden.

Der Gründer der Bäckerei, Alois Adolph (der Großvater des heutigen Inhabers Guido Adolph) ließ früher auch sein Umfeld von seinen guten Ideen und den Vorzügen seines Betriebes profitieren: Kinderreichen Familien gab er in und nach dem Krieg immer ausreichend Brot, so dass diese keinen Hunger leiden mussten. Außerdem war er im Sportverein als Jugendleiter sehr engagiert und da er als einer der wenigen Wehrdener ein Auto besaß, fuhr Alois Adolph die Fußballer zu Auswärtsspielen. Auch die „fremden" Spieler und ihre Frauen hat er gut versorgt, und sie so an den Verein gebunden. Man könnte es eine frühe Form von Sponsoring nennen.

Da sie früher noch keine beheizten Umkleideräume hatten, legte Alois eine unterirdische Warmluftleitung von der Backstube bis zum Sportplatz. So konnte die Hitze des Backofens zusätzlich genutzt werden und die frierenden Sportler in der kalten Jahreszeit wärmen. Der damalige Sportplatz lag an der Stelle der heutigen katholischen Kirche St. Hedwig, welche 1964 erbaut wurde. „Die Umkleidekabinen" waren in noch früheren Zeiten in der so genannten „ Kutscherbud“ wo auf langen Reisen erschöpfte Pferde und Kutscher ausgewechselt wurden.